Tag 33 – 35 Abel Tasman National Park

Tag 33 – Durch das Inland nach Abel Tasman

Wenn man sich die Karte anschaut, scheint die schönere Strecke in den Norden, die über Kaikoura an der Ostküste entlang zu sein. Allerdings wurde diese Region im November 2016 von einem schweren Erdbeben der Stärke 7,8 getroffen, was nicht nur zum tragischen Verlust zweier Menschenleben geführt hat, sondern auch große Teile der Infrastruktur beschädigte. So war Kaikoura nach dem Beben erst einmal von der Außenwelt abgeschnitten, da sowohl der Hafen, als auch Abschnitte des National State Highway 1, nördlich und südlich von Kaikoura schwere Schäden aufwiesen. Der Highway, der im Osten direkt am Wasser liegt und im Westen von steilen Felsen begleitet wird, war hauptsächlich durch Erdrutsche unbefahrbar geworden. Die NZ Transport Agency hat unter dem Namen „Moving Mountains to Reconnect Communities“ das Wiederaufbauprojekt gestartet und dazu viele interessante Informationen und Bilder auf einer Website zur Verfügung gestellt -> hier

Diese Route konnten wir also nicht nehmen, um zum Abel Tasman National Park zu kommen und verzichteten deshalb auch auf einen weiteren Besuch in Kaikoura. Unser Weg führte uns nun geradewegs durchs Inland:

Die Strecke ist relativ ruhig und schön aber nicht wirklich spektakulär im Vergleich zu anderen Straßen in Neuseeland, allerdings wird man für die lange Fahrt mit einer der, unserer Meinung nach schönsten Gegenden Neuseelands belohnt. Tasman, Nelson und Marlborough beeindrucken durch wunderbare Strände, klares Wasser, Palmen, Plantagen und nicht zuletzt durch die Sounds und diesmal werden wir sie auch genießen können, außer die Fähre zur Nordinsel fährt nicht mehr…

Tag 34 – Kayak fahren in Abel Tasman

Wir hatten uns nach einem spitzen Tipp von unseren Freunden aus Österreich, bei Old Mac Donald’s Farm in Marahau am Südrand des Abel Tasman National Park einquartiert. Ein schöner großer Campingplatz, dessen Gebäude und Anlagen zum aller größten Teil mit natürlichen Materialien und selbst gepflanzten Bambus gestaltet sind und wie der Name schon nahe legt auch einige vierbeinige Bewohner beherbergt. Das Highlight waren dabei  die Lamas, die stoisch in ihrem Gehege am Wegesrand stehen und beobachten wer sich da so an ihrem Zuhause vorbeischleicht. Den ein oder anderen sollen die ja schon mal angespuckt haben…kaum zu glauben eigentlich bei diesen riesigen braunen Kulleraugen die einen da anschauen. Eine freudige Unruhe kann man bei ihnen erzeugen, wenn man die Äste der nahen Bäume nach unten zieht, damit sie mit ihren langen Hälsen an die leckeren grünen Blätter kommen. Es sieht zum schießen aus und plötzlich hat man neue Freunde gefunden. Die Freundschaft endet jedoch schnell, wenn man seine Hand vom Ast nimmt, dann schauen einen die großen Augen traurig und vorwurfsvoll an. Allerdings können wir nicht den ganzen Tag da rum stehen und die Bäume festhalten, wir wollen ja zum Kayak fahren!

Wir haben uns ein Kayak gemietet, den Transport und eine Sicherheitseinweisung gab es gratis dazu. Auf den Guide wollten wir verzichten und lieber alleine auf Erkundungstour gehen. Wir starteten bei Flut aus Marahau und erpaddelten uns unser Mittagessen, dass wir gut verstaut im Kayak dabei hatten, auf dem Weg Richtung Norden. Vorbei und durch die Apple Tree Bay bis zu einem kleinen einsamen Strand in der Akersten Bay. Wie so oft hatten wir dieses kleine Stück Sand nicht ganz für uns allein sondern mussten es bald mit anderen Kayakern teilen. Allerdings trug das auch erheblich zu unserer Erheiterung bei: Wenn man am Meer mit Essen unterwegs ist, ist ein fliegender Küstenbewohner meist nicht weit – die gemeine Möve. Eigentlich sind diese Vögel nicht besonders penetrant aber sie nutzen jede kleine Möglichkeit die sich ihnen bietet, um etwas zu stibitzen. Das musste das französische Pärchen, dass neben uns gelandet ist an diesem Nachmittag auf unangenehme Weise lernen. Als eine Möve etwas klauen wollte, was die beiden im Kayak zurück gelassen hatten, sprangen beide auf, um sie davon abzuhalten. Das nutze ein anderer Artgenosse sofort um die gerade ausgepackte Tüte mit den Sandwiches zu schnappen und sich damit auf und davon zu machen, die anderen Möven und das Pärchen machten sofort Jagd auf den Dieb aber da gab’s nix mehr zu holen. Spiel, Satz und Sieg für diesen gefiederten Kollegen.  Da die beiden nicht aussahen, als ob sie gleich verhungern würden und auch noch ein paar Kekse übrig hatten, behielten wir unsere Sandwiches für uns und die Möwen auf Abstand. Auch das andere Pärchen war anscheinend gekommen, um uns zu unterhalten. Die beiden Amerikaner (vielleicht waren es auch Neuseeländer oder Australier aber Amerikaner passte irgendwie am Besten) waren etwas älter als wir aber ordentlich durchtrainiert. So fit, dass ihnen das paddeln wohl nicht genug Anstrengung war und sie noch etliche Klimmzüge an einem vorstehenden Felsen direkt am Strand machten. Ganz so ambitioniert waren wir nicht. Als es aber wieder ins Wasser ging konnte man sehen, dass der andere Kayakverleih eine wohl nicht ganz so eindringliche Einweisung vorgenommen hat, wie unserer. Es hatte sich in der Zwischenzeit ein nicht zu unterschätzender Shorebreak gebildet, durch diese Brandung musste man das Kayak bekommen, um weiter zu paddeln. Jessi maulte noch, dass der Muskelmann seine Freundin sogar VORNE das Kayak festhielt, damit sie besser einsteigen konnte…das hätte er besser gelassen, denn sobald er sich auf den Weg zu seinem Sitzplatz machte und die nächste Welle kam, drehte sich das Boot und bekam eine volle Breitseite ab. Die verzweifelten Versuche, das Unausweichliche zu verhindern waren erfolglos und so rannten wir schnell rüber, um den beiden zu helfen ihr geflutetes Kayak wieder an den Strand zu ziehen. Nach 15 Minuten Kayak leer pumpen waren sie wieder bereit für einen neuen Versuch. Wir halfen ihnen. Sie Habens geschafft. Die Show war großartig.

Auf dem Rückweg hatten wir vor Adele Island noch eine besondere Begegnung. Ein Zwergpinguin dümpelte nur ein bis zwei Meter von unserem Kayak entfernt im Wasser herum. Der Kleine war wohl noch sehr jung wie wir aus seinem noch teilweise in der Mauser befindlichen Gefieder geschlossen haben. Völlig unbeeindruckt, weder von uns noch von den großen Yachten und Booten, die da so rum schipperten oder vor Anker lagen schwamm er da seelenruhig im Wasser rum. Wir freuten uns vor allem, weil wir vorher zu faul waren noch um die Insel zu paddeln, um noch ein paar Robben zu sehen. Wir ruderten zum Ausgangspunkt zurück, wo jetzt schon einige Jungs mit Traktoren die ganzen Kayaks und Boote über den Strand zurück brachten, da inzwischen Ebbe war und das Wasser so weit zurück ging, dass wir uns etwa 300m Ruderstrecke ersparen konnten.

Tag 35 – Im Auge des Kiwi

Nach einem guten Abendessen und einer kleinen abendlichen Internetsession an der Rezeption des Camps inkl. Bier und Wein, sind wir tot ins Bett gefallen und mit etwas Muskelkater in den Armen am nächsten Morgen aufgewacht. Heute wollten wir es noch mal wissen, die Zeit auf der Südinsel neigte sich langsam dem Ende zu und ein bisschen was wollten wir noch mitnehmen. Durch den kompletten Nationalpark bis an den nördlichsten Zipfel der Südinsel sollte es gehen. Einer der schönsten Strände, der es sogar mit einem Bild in die mitgelieferten Desktophintergründe von Windows 10 geschafft haben soll (ich hab das nicht überprüft) wurde uns versprochen. Na dann wollen wir mal sehen. Das Beast bahnte sich seinen Weg zwischen den Nationalparks direkt zum sogenannten Auge des Kiwi. Deshalb „Auge“, da dieser Landstrich lustigerweise tatsächlich einige Ähnlichkeit mit dem kleinen lichtscheuen Laufvogel hat und Wharariki Beach genau dort liegt, wo man das Auge dieses Kiwis erwarten würde.

Bevor wir den 15min Spaziergang zum Strand antraten gab es noch einen Kaffee zur Stärkung. In der Zwischenzeit kam ein großes Vogelstraußmännchen  zur Bewachung unseres Autos vorbei und diese Aufgabe nahm er ziemlich ernst. Jessi lies er als wir zurückkamen erstmal nicht mehr einsteigen. Mit große Federn, viel Gegacker und Getanze hielt er sie auf Abstand zum Beast. Könnte ja jeder kommen unsere Sachen waren in unserer Abwesenheit auf jeden Fall in Sicherheit.  Der Strand war wirklich schön und die lange Reise wert aber schaut selbst.

Als wir zurückkamen, konnten wir dann auch den Strauß davon überzeugen, dass er sich lieber wieder auf seine Artgenossen konzentriert und unser Auto in frieden lässt. Spät dran waren wir aber trotzdem schon und so kamen wir nicht mehr so weit wie geplant und verbrachten die Nacht in einem kleinen aber gut ausgestatteten Hinterhofcampingplatz, der eigentlich schon voll war, wir aber noch ein kleines Plätzchen vor einem der Häuschen ergattern konnten. Die Maori-Damen die hier ebenfalls unterkamen waren schon ordentlich angeheitert und es herrschte gute Stimmung, daher konnten wir auch ohne schlechtes Gewissen noch ein spätes Abendessen kochen und fielen zufrieden ins Bettchen.

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