Tag 30 – Neue Teile für das Beast in der Hauptstadt des Steampunk

Spring halt an…

Nach dem Aufwachen und einem gemütlichen Frühstück auf dem Campingplatz direkt bei den Moreaki Boulders, wollten wir uns auf den Weg ins Inland machen. Lake Tekapo, der für seine außergewöhnlich schönen Sternenhimmel bekannt ist, sollte das nächste Ziel werden. Aber die Rechnung hatten wir wie immer ohne unser wankelmütiges Gefährt gemacht. Der Anlasser hatte schon häufiger nicht gleich beim ersten Versuch reagiert aber nun dreht er sich gar nicht mehr und es klickte nur noch. Auch beim zehnten Versuch tat sich gar nix. Man sollte eben sofort zu Werkstatt, wenn der Anlasser nicht mehr so richtig will aber die Elektronik ohne Probleme arbeitet. Aber jetzt mussten wir die Hütte erstmal wieder zum laufen bekommen sonst wird auch der Weg zur Werkstatt schwierig. Der Campingplatz war leicht abschüssig, sollte zum anschieben reichen – wir standen allerdings, wie hätte es auch anders sein können, fast unten. Glückwunsch, versucht mal eure fahrbare Wohnung den Berg hoch zu schieben. Außer uns war übrigens im Moment sonst kein Mensch zu sehen. Na dann schieben wir die Karre mal den Hügel hoch…ohne dass sie runte rollt, also muss jemand drin sitzen…keine Chance. Viel zu schwer für einen allein auf der feuchten Wiese. In der letzten Verzweiflung bevor wir den ganzen Campingplatz alarmierten haben wir noch einmal versucht ihn zu starten und man glaubt es kaum, die alte Zicke ist angesprungen. Jetzt bloß nicht mehr ausgehen lassen, wer weiß ob er nochmal anspringt. Die nächste Werkstatt war in Omaru, der Hauptstadt des Steampunks. In NZ ist sowieso jedes Kaff die Hauptstadt von irgendetwas – Haupstadt des Brots, Hauptstadt der Forellenzucht, Haupstadt der dämlichen Hauptstädte. Es gibt für alles eine Hauptstadt. Wir waren also in der Haupstadt des Steampunks gelandet.

Zugegeben, es gibt schlechtere Orte in denen man sein Auto zur Werkstatt bringen kann, als ausgerechnet in einer in der an jeder Ecke einen Haufen rostiges Metall zu irgendeiner Art Maschine zusammengebaut ist. Es zeigt doch, dass eine gewisse Affinität zu Handwerk, Metall und Motoren besteht. Das Beast wird zwar nicht mit Dampf betrieben – anhören tut es sich trotzdem manchmal wie eine alte Lokomotive.

Wir haben einen sehr guten Autoelektriker gefunden (der dann übrigens 15 Mal probieren musste, bevor der Anlasser wieder einmal nicht funktioniert hat – soviel zum Thema bloß nicht ausgehen lassen… ). Er meinte bis zum Feierabend hätten sie es repariert. Nicht ganz was wir uns vorgestellt hatten aber besser als erst am nächsten Tag. Als wir die Werkstatt verließen, um irgendwie den Tag in Steampunk Capital zu verbringen haben wir uns dann trotzdem erst mal ordentlich angezickt. Die Einheimischen und anderen Touristen haben sich wahrscheinlich tot gelacht, bei den zwei wütenden Kindern, die da die Hauptstraße hoch und runter gestapft sind. Naja, wer uns kennt der weiß was abgeht. Und mal Hand aufs Herz, wer hat sich auf einer Reise mit seinem Partner noch nicht gestritten? Also wir sehen ja auch viele Paare die hier unterwegs sind und können uns das kichern auch nicht verkneifen, wenn Sie mal wieder beleidigt abzieht oder Er schmollend vor dem TV auf dem Campingplatz sitzt. Schön ist, wenn man sich richtig streiten kann, weil man genau weiß, dass man sich wieder verträgt. So haben wir uns auch in Omaru wieder vertragen und haben nicht unsere Drohungen wahr gemacht und sind gleich einzeln nach Hause geflogen. Wir hatten dann noch ein schönes spätes Mittagessen in einem netten kleinen Restaurant – Steampunk und alle seine Attraktionen haben uns an diesem Tag aber völlig kalt gelassen.

Ab nach Lake Tekapo

Als das Beast wieder flott und die ertragbare Rechnung bezahlt war ging es los über Twizel zum Lake Tekapo.

Wir übernachteten an einem kleinen See auf der Westseite des großen Sees, auf einem kleinen aber viel besuchten Campingplatz, der mit $10 pP. auch noch viel zu teuer war – naja wie auch immer es war spät und wir wollten auch nicht mehr weiter. Und wir taten gut daran da zu bleiben – der Sternenhimmel, den wir an diesem Abend beobachten durften war phänomenal. Das ganze Gebiet ist ein UNESCO Dark Sky Reserve und dementsprechend auch bekannt für seine atemberaubenden Nachthimmel. Das Timing war gut, keine Wolke am Himmel und so konnten wir auch noch ein paar schöne Fotos machen. Ein wirklich schöner Abschluss, eines Reisetages den man sich so eigentlich sparen hätte können. Wenn man sich nicht entmutigen lässt und dem was um einen rum so passiert eine Chance gibt, kann man eigentlich überall und aus fast jeder Situation etwas Schönes mitnehmen. Einen Schnupperkurs als Automechaniker inkl. Italienischem Dinner, neue Freunde mit denen man lachen und trinken kann, wenn draußen die Welt untergeht oder eben den schönsten Sternenhimmel den man jemals gesehen hat an einem Tag an dem sonst eigentlich alles schief gelaufen ist.

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