Tag 39 – 43 – Über den Surf Highway 45 nach Raglan

Der New Zealand State Highway 45 beschreibt einen Halbkreis nach Westen in dessen Mittelpunkt der Mount Taranaki thront. Da es zwischen Hawea und New Plymouth mit dem Highway 3 eine wesentlich kürzere Route durch das Inland gibt, wird der Highway hauptsächlich von Einheimischen und Touristen auf der Suche nach Surfspots genutzt. Und von beinahe jedem Punkt hat man einen wunderbaren Ausblick auf Mount Taranaki, solange sich dieser nicht hinter einer dicken Wolkenwand verbirgt.

Wir verbrachten einige Tage hier an den schönen Stränden und Frank hat viele Möglichkeiten zum Surfen. So langsam bereiteten wir uns auch darauf vor, unser liebgewonnenes Beast wieder zu verkaufen und schossen einige Fotos für die Anzeige. Mount Taranaki, der sich uns die ersten zwei Tage noch freundlich präsentiert hatte, verbarg sich jedoch am dritten Tag nur noch hinter dicken Wolken, sodass wir uns nicht zu einem Besuch durchringen konnten.

Insgesamt zog von Süden eine Gewitterfront in unsere Richtung, begleitet von Warnungen vor starken Regenfällen. Das veranlasste uns dazu unseren kleinen Vorsprung, den wir noch vor dem schlechten Wetter hatten zu nutzen und weiter nach Norden in Richtung Raglan zu fahren. Raglan ist ein schöner kleiner Ort etwas weiter nördlich an der Westküste und gilt als die Surf-Hauptstadt Neuseelands. Leider gab es nicht genug Swell für die meisten der zahlreichen Spots an diesem Küstenabschnitt aber der lange Beachbreak von Ngarunui enttäuscht eigentlich nie und so gab es auch hier einige Möglichkeiten zum Surfen. Ansonsten war in dem kleinen Dörfchen nicht viel los und wir entspannten und machten ein paar Tage Strandurlaub.

Allerdings hatte sich die Schlechtwetterfront in unserem Nacken nicht aufgelöst und genug Zeit hatten wir auch nicht mehr, um den nächsten Swell abzuwarten, also brachen wir nach einem sonnigen Morgen am Strand die Zelte ab und machten uns auf nach Rotorua. Der Ort der himmelhohen Geysire, heißen Quellen und blubbernden Schlammlöcher und die Heimat faszinierender Maori-Kultur oder „the only place where you can fart and get away with it“, wie einer unserer Freunde aus Auckland diesen Ort bezeichnete.

Tag 36 – 38 Man trifft sich immer mindestens zwei Mal

In den nächsten Tagen gab es gleich zwei Mal ein Wiedersehen zu feiern, sowohl geplant als auch ungeplant. Es waren noch 3 Wochen bis wir Neuseeland verlassen würden, vorausgesetzt alles würde verlaufen wie wir es geplant hatten, vor allem was den Verkauf des Autos betraf. Das hieß unsere Zeit, um die Nordinsel zu erkunden war beschränkt, deshalb wollten wir schleunigst damit anfangen und mit der Fähre von Picton nach Wellington übersetzen. Wir erkundeten noch etwas die Gegend und Nelson bevor wir nach Picton weiterfuhren. In Nelson genehmigten wir uns noch ein wirklich exzellentes Mittagessen im Boat Shed Café. Hier wurde die Schlussszene von das Piano gedreht. Ich muss zugeben, dass ich den Film nicht gesehen habe, das Restaurant ist aber toll und das Essen war herausragend. Lieber Michael, Danke für den tollen Tipp, das hat sich gelohnt!

Tag 36 – Zufälliges Wiedersehen

In Picton haben wir uns wieder einen netten Campingplatz gesucht von dem aus wir früh morgens zur Fähre aufbrechen konnten. Als wir auf den Platz fuhren, war Frank darauf gefasst, dass Jessi wie immer einen Platz aussucht (@alle Männer: Macht niemals den Fehler selbständig den Platz beim Camping auszusuchen, dabei müssen sehr viele Parameter bedacht werden, welche das männliche Gehirn nicht in der Lage ist richtig zu verarbeiten, wie etwa die optimale Entfernung zur Toilette in Kombination mit Lautstärke, Lichteinfall und optimaler Untergrundbeschaffenheit), als diese fröhlich feixte: „…oder wir stellen uns einfach zu den Beiden da drüben, die kennen wir doch schon“. Tatsächlich hatte uns der Zufall zu zwei Bekannten ganz aus dem Süden geführt. Als wir in Riverton halt gemacht haben, hatten wir die beiden Weltreisenden, die normalerweise in Zürich leben getroffen und nun saßen sie wieder da, nachdem sie den ganzen Weg in die entgegengesetzte Richtung von uns hinter sich gebracht hatten. Wir hatten einen lustigen Abend bis uns die Sandflies in unsere Camper vertrieben und würden am nächsten Tag zusammen die Fähre nach Wellington nehmen. Doch bevor wir uns ins Auto verzogen hüpften wir noch auf dem riesigen Luftkissen rum das es auf dem Campinlplatz gab. So ein geiles Teil brauchen wir irgendwann im Garten

 

Tag 37 – Die Fähre nach „Hippster Town“

Dann war es soweit, wir würden die Südinsel verlassen und zurückkehren zur Nordinsel. So eine Fahrt mit einer Autofähre ist immer ein Erlebnis. Großes Schiff, viele Autos, beim Beladen muss alles richtig koordiniert werden, alles ist ausgemessen und folgt einem strengen Ablauf. Als wir endlich auf dem Schiff waren, genoßen wir die Aussicht auf dem Panorama Deck bei einem Drink und plauderten. Wir rätselten, ob wohl jeder der Autobesitzer seine Alarmanlage deaktiviert hatte, wie es die Transportbestimmungen vorsehen. In diese Verlegenheit konnten wir ja selber glücklicherweise nicht kommen. Kaum losgefahren bescherte uns ein weißer VW Touareg das erwartete Hupkonzert. Der Besitzer hatte offenbar die Bedienungsanleitung nicht sehr aufmerksam gelesen, denn auch beim zweiten Versuch, blinkte und hupte sein Auto fröhlich weiter nachdem es einige Minuten ruhe gegeben hatte. Mehr amüsiert als gestört beobachteten wir das Treiben und hatten einen tollen Cruise durch die Marlborough Sounds. In Wellington angekommen, trennten sich unsere Wege wieder. Wir machten uns auf in Richtung Innenstadt. Hochhäuser und Großstadtfeeling hatten wir tatsächlich vermisst und Frank musste unbedingt zum Friseur.

Wenn es einen Gradmesser für das „Hip“-sein einer Stadt gibt, ist das im Jahre 2017 garantiert die Dichte an Barbershops oder auch auf Deutsch, Herrenfriseure die sich auf Frisuren spezialisiert haben, für die es Pomade und Wachs benötigt und die einen Bart nicht komplett abnehmen sondern in der Lage sind diesen zu stutzen und zu stylen. In Wellington gibt es viele und ich meine sehr viele Barbershops.  Zu vergleichen in etwa mit der Anzahl an Starbucks Cafés in einer nordamerikanischen Großstadt vor etwa zehn Jahren. Wenn diese dann auch noch so ausgebucht sind, dass der Frisör dich fast auslacht, wenn du den Laden ohne Termin betrittst, weißt du, okay hier ist ein hohes Maß an Hipsterkultur vertreten. Und auch auf der Straße sieht man viele junge Leute die modisch gekleidet sind. Es gibt viele Studenten, die wie auch in anderen Städten das Gesicht der Stadt prägen. Wellington ist damit ein starker Kontrast  zu den ländlichen Gegenden der Südinsel, die wir die letzten Wochen bereist haben. Das kann man toll finden oder auch nicht, wir mochten es jedenfalls und hatten eine gute Zeit. Lunch hatten wir in einem viel besuchten Restaurant im Surf-Rescue Turm an Wellingtons Surfstrand und beim dritten Anlauf bekam Frank dann auch endlich die Haare geschnitten. Wir streunten noch ein bisschen durch die Straßen bevor wir uns einen schönen Campingplatz am Strand etwas nördlich suchten und waren abermals Zeuge eines wunderbaren neuseeländischen Sonnenuntergangs.

Tag 38 – Ein geplantes Wiedersehen – Party @ Big Fella’s

Wir fuhren nochmal nach Wellington, um uns dasTe Papa Tongarewa anzuschauen, das Nationalmuseum Neuseelands. Unter anderem gibt es hier den größten Riesenkalmar, der bisher untersucht wurde und sich in einer Ausstellung befindet. Mit einem Durchmesser von 27cm haben diese Tiere die wahrscheinlich größten Augen der Welt. Die Größe des Tintenfisches ist wirklich beeindruckend, dennoch kann mich ein in Formaldehyd eingelegtes hinter einer dicken Glasscheibe, in einen Tisch eingelassenes Präparat nicht wirklich mitreissen. Wer schon einmal einen kleinen Kalmar im Wasser gesehen hat, weiß wie elegant sich diese Tiere bewegen und wie schön sie aussehen. Sehr eindrucksvoll müssen diese Riesen sein, wenn sie in finsteren Tiefen in eiskaltem Wasser auf Beutefang gehen. Davon kann der farblose Koloss der hier begraben liegt leider nur wenig transportieren.

Es gibt im Museum noch einiges mehr zu entdecken. Eine Ausstellung zeigte beispielsweise die Verbundenheit der Maori zum Land und dessen Ressourcen und Natur, durch zahlreiche Artefakte und Geschichten. Aus allen vier Himmelsrichtungen war hier die Hälfte eines besonderen Steins ausgestellt, der die Region prägt, gemeinsam mit dessen Bedeutung und Erklärung über den Ort an dem sich die andere Hälfte befindet, jeweils im Norden, Osten, Süden und Westen. Anfassen und spüren erwünscht!

Am Abend stand ein echtes Highlight an, auf das wir uns schon lang freuten. Wir hatten eine Einladung von einem unserer Freunde aus Wanaka. Blair oder Big Fella, wie ihn seine Freunde alle nennen, hatte uns in sein Zuhause, etwa zwei Stunden nördlich von Wellington eingeladen. Fast direkt am Strand lebt er hier mit seiner Patchworkfamilie. Diese war als wir eingetroffen sind allerdings komplett ausgeflogen, sodass wir einen lustigen Abend zu dritt genießen konnten. Wir verstanden uns auf Anhieb wieder so brillant wie im Süden und lachten und tranken die ganze Nacht. Blair hatte lecker für uns gekocht  und genug Getränke eingekauft. Party geht eben auch zu Dritt und da wir auch nur ein paar Meter zum Strand hatten stand einem nächtlichen Sprung ins kühle Nass auch nichts im Wege. Wir hatten einen großartigen Abend und hoffen, dass wir uns für die Gastfreundschaft eines Tages revanchieren können. Die Daten für die Wiesn haben wir unserem Big Fella auf jeden Fall hinterlassen und einen Schlafplatz halten wir abrufbereit.

Tag 33 – 35 Abel Tasman National Park

Tag 33 – Durch das Inland nach Abel Tasman

Wenn man sich die Karte anschaut, scheint die schönere Strecke in den Norden, die über Kaikoura an der Ostküste entlang zu sein. Allerdings wurde diese Region im November 2016 von einem schweren Erdbeben der Stärke 7,8 getroffen, was nicht nur zum tragischen Verlust zweier Menschenleben geführt hat, sondern auch große Teile der Infrastruktur beschädigte. So war Kaikoura nach dem Beben erst einmal von der Außenwelt abgeschnitten, da sowohl der Hafen, als auch Abschnitte des National State Highway 1, nördlich und südlich von Kaikoura schwere Schäden aufwiesen. Der Highway, der im Osten direkt am Wasser liegt und im Westen von steilen Felsen begleitet wird, war hauptsächlich durch Erdrutsche unbefahrbar geworden. Die NZ Transport Agency hat unter dem Namen „Moving Mountains to Reconnect Communities“ das Wiederaufbauprojekt gestartet und dazu viele interessante Informationen und Bilder auf einer Website zur Verfügung gestellt -> hier

Diese Route konnten wir also nicht nehmen, um zum Abel Tasman National Park zu kommen und verzichteten deshalb auch auf einen weiteren Besuch in Kaikoura. Unser Weg führte uns nun geradewegs durchs Inland:

Die Strecke ist relativ ruhig und schön aber nicht wirklich spektakulär im Vergleich zu anderen Straßen in Neuseeland, allerdings wird man für die lange Fahrt mit einer der, unserer Meinung nach schönsten Gegenden Neuseelands belohnt. Tasman, Nelson und Marlborough beeindrucken durch wunderbare Strände, klares Wasser, Palmen, Plantagen und nicht zuletzt durch die Sounds und diesmal werden wir sie auch genießen können, außer die Fähre zur Nordinsel fährt nicht mehr…

Tag 34 – Kayak fahren in Abel Tasman

Wir hatten uns nach einem spitzen Tipp von unseren Freunden aus Österreich, bei Old Mac Donald’s Farm in Marahau am Südrand des Abel Tasman National Park einquartiert. Ein schöner großer Campingplatz, dessen Gebäude und Anlagen zum aller größten Teil mit natürlichen Materialien und selbst gepflanzten Bambus gestaltet sind und wie der Name schon nahe legt auch einige vierbeinige Bewohner beherbergt. Das Highlight waren dabei  die Lamas, die stoisch in ihrem Gehege am Wegesrand stehen und beobachten wer sich da so an ihrem Zuhause vorbeischleicht. Den ein oder anderen sollen die ja schon mal angespuckt haben…kaum zu glauben eigentlich bei diesen riesigen braunen Kulleraugen die einen da anschauen. Eine freudige Unruhe kann man bei ihnen erzeugen, wenn man die Äste der nahen Bäume nach unten zieht, damit sie mit ihren langen Hälsen an die leckeren grünen Blätter kommen. Es sieht zum schießen aus und plötzlich hat man neue Freunde gefunden. Die Freundschaft endet jedoch schnell, wenn man seine Hand vom Ast nimmt, dann schauen einen die großen Augen traurig und vorwurfsvoll an. Allerdings können wir nicht den ganzen Tag da rum stehen und die Bäume festhalten, wir wollen ja zum Kayak fahren!

Wir haben uns ein Kayak gemietet, den Transport und eine Sicherheitseinweisung gab es gratis dazu. Auf den Guide wollten wir verzichten und lieber alleine auf Erkundungstour gehen. Wir starteten bei Flut aus Marahau und erpaddelten uns unser Mittagessen, dass wir gut verstaut im Kayak dabei hatten, auf dem Weg Richtung Norden. Vorbei und durch die Apple Tree Bay bis zu einem kleinen einsamen Strand in der Akersten Bay. Wie so oft hatten wir dieses kleine Stück Sand nicht ganz für uns allein sondern mussten es bald mit anderen Kayakern teilen. Allerdings trug das auch erheblich zu unserer Erheiterung bei: Wenn man am Meer mit Essen unterwegs ist, ist ein fliegender Küstenbewohner meist nicht weit – die gemeine Möve. Eigentlich sind diese Vögel nicht besonders penetrant aber sie nutzen jede kleine Möglichkeit die sich ihnen bietet, um etwas zu stibitzen. Das musste das französische Pärchen, dass neben uns gelandet ist an diesem Nachmittag auf unangenehme Weise lernen. Als eine Möve etwas klauen wollte, was die beiden im Kayak zurück gelassen hatten, sprangen beide auf, um sie davon abzuhalten. Das nutze ein anderer Artgenosse sofort um die gerade ausgepackte Tüte mit den Sandwiches zu schnappen und sich damit auf und davon zu machen, die anderen Möven und das Pärchen machten sofort Jagd auf den Dieb aber da gab’s nix mehr zu holen. Spiel, Satz und Sieg für diesen gefiederten Kollegen.  Da die beiden nicht aussahen, als ob sie gleich verhungern würden und auch noch ein paar Kekse übrig hatten, behielten wir unsere Sandwiches für uns und die Möwen auf Abstand. Auch das andere Pärchen war anscheinend gekommen, um uns zu unterhalten. Die beiden Amerikaner (vielleicht waren es auch Neuseeländer oder Australier aber Amerikaner passte irgendwie am Besten) waren etwas älter als wir aber ordentlich durchtrainiert. So fit, dass ihnen das paddeln wohl nicht genug Anstrengung war und sie noch etliche Klimmzüge an einem vorstehenden Felsen direkt am Strand machten. Ganz so ambitioniert waren wir nicht. Als es aber wieder ins Wasser ging konnte man sehen, dass der andere Kayakverleih eine wohl nicht ganz so eindringliche Einweisung vorgenommen hat, wie unserer. Es hatte sich in der Zwischenzeit ein nicht zu unterschätzender Shorebreak gebildet, durch diese Brandung musste man das Kayak bekommen, um weiter zu paddeln. Jessi maulte noch, dass der Muskelmann seine Freundin sogar VORNE das Kayak festhielt, damit sie besser einsteigen konnte…das hätte er besser gelassen, denn sobald er sich auf den Weg zu seinem Sitzplatz machte und die nächste Welle kam, drehte sich das Boot und bekam eine volle Breitseite ab. Die verzweifelten Versuche, das Unausweichliche zu verhindern waren erfolglos und so rannten wir schnell rüber, um den beiden zu helfen ihr geflutetes Kayak wieder an den Strand zu ziehen. Nach 15 Minuten Kayak leer pumpen waren sie wieder bereit für einen neuen Versuch. Wir halfen ihnen. Sie Habens geschafft. Die Show war großartig.

Auf dem Rückweg hatten wir vor Adele Island noch eine besondere Begegnung. Ein Zwergpinguin dümpelte nur ein bis zwei Meter von unserem Kayak entfernt im Wasser herum. Der Kleine war wohl noch sehr jung wie wir aus seinem noch teilweise in der Mauser befindlichen Gefieder geschlossen haben. Völlig unbeeindruckt, weder von uns noch von den großen Yachten und Booten, die da so rum schipperten oder vor Anker lagen schwamm er da seelenruhig im Wasser rum. Wir freuten uns vor allem, weil wir vorher zu faul waren noch um die Insel zu paddeln, um noch ein paar Robben zu sehen. Wir ruderten zum Ausgangspunkt zurück, wo jetzt schon einige Jungs mit Traktoren die ganzen Kayaks und Boote über den Strand zurück brachten, da inzwischen Ebbe war und das Wasser so weit zurück ging, dass wir uns etwa 300m Ruderstrecke ersparen konnten.

Tag 35 – Im Auge des Kiwi

Nach einem guten Abendessen und einer kleinen abendlichen Internetsession an der Rezeption des Camps inkl. Bier und Wein, sind wir tot ins Bett gefallen und mit etwas Muskelkater in den Armen am nächsten Morgen aufgewacht. Heute wollten wir es noch mal wissen, die Zeit auf der Südinsel neigte sich langsam dem Ende zu und ein bisschen was wollten wir noch mitnehmen. Durch den kompletten Nationalpark bis an den nördlichsten Zipfel der Südinsel sollte es gehen. Einer der schönsten Strände, der es sogar mit einem Bild in die mitgelieferten Desktophintergründe von Windows 10 geschafft haben soll (ich hab das nicht überprüft) wurde uns versprochen. Na dann wollen wir mal sehen. Das Beast bahnte sich seinen Weg zwischen den Nationalparks direkt zum sogenannten Auge des Kiwi. Deshalb „Auge“, da dieser Landstrich lustigerweise tatsächlich einige Ähnlichkeit mit dem kleinen lichtscheuen Laufvogel hat und Wharariki Beach genau dort liegt, wo man das Auge dieses Kiwis erwarten würde.

Bevor wir den 15min Spaziergang zum Strand antraten gab es noch einen Kaffee zur Stärkung. In der Zwischenzeit kam ein großes Vogelstraußmännchen  zur Bewachung unseres Autos vorbei und diese Aufgabe nahm er ziemlich ernst. Jessi lies er als wir zurückkamen erstmal nicht mehr einsteigen. Mit große Federn, viel Gegacker und Getanze hielt er sie auf Abstand zum Beast. Könnte ja jeder kommen unsere Sachen waren in unserer Abwesenheit auf jeden Fall in Sicherheit.  Der Strand war wirklich schön und die lange Reise wert aber schaut selbst.

Als wir zurückkamen, konnten wir dann auch den Strauß davon überzeugen, dass er sich lieber wieder auf seine Artgenossen konzentriert und unser Auto in frieden lässt. Spät dran waren wir aber trotzdem schon und so kamen wir nicht mehr so weit wie geplant und verbrachten die Nacht in einem kleinen aber gut ausgestatteten Hinterhofcampingplatz, der eigentlich schon voll war, wir aber noch ein kleines Plätzchen vor einem der Häuschen ergattern konnten. Die Maori-Damen die hier ebenfalls unterkamen waren schon ordentlich angeheitert und es herrschte gute Stimmung, daher konnten wir auch ohne schlechtes Gewissen noch ein spätes Abendessen kochen und fielen zufrieden ins Bettchen.

Tag 31 – 32 – Zurück zum Ausgangspunkt

Tag 31 – Scenic Breakfast und “Sie fliegt, oh mein Gott sie fliegt!!!”

So schön der Ort bei Nacht auch war, am nächsten Morgen hatte uns die Realität dieses Campinglochs wieder eingeholt – Frühstücken hier? Naaaaa – eher nicht! Wir suchten uns einen schönen und ruhigen Platz auf der Ostseite des Sees und frühstückten mit Sonnenschein und toller Aussicht.

Nach dem Essen dachte sich Frank, dass es eigentlich eine tolle Kulisse für ein paar Drohnenbilder wäre. Eigentlich kein Problem, der moderne Traveller hat ja jeglichen Schnick-Schnack dabei und so haben auch wir unsere kleine Drohne, die wir extra für den Trip angeschafft haben. Allerdings gibt es da noch ein Detail, dass wir euch bislang verschwiegen haben. Als wir genervt vom Schnee, Te Anau und Milford Sound verlassen hatten, haben wir an einem See mit einem wunderschönen kleinen Lookout halt gemacht. Und wozu hat man eine Drohne, wenn man die nicht auch mal über Wasser einsetzt. Naja es kam wie es manchmal eben kommt (allerdings aber auch in diesem Fall nicht kommen musste). Es war ein wenig windig und die GPS Steuerung der Drohne hat versagt, was zu einer unsanften Wasserlandung geführt hat…Als Frank sie aus dem Wasser gefischt hat, blinkte sie noch. Den Akku sofort abgezogen und alles Wasser abgetropft, musste sie natürlich trotzdem erstmal trocknen. Also ab damit auf die Frontscheibenlüftung. Kalt war uns zu dem Zeitpunkt ohnehin die ganze Zeit, also kein Problem die Heizung und Lüftung laufen zu lassen. Am nächsten morgen wollte Frank die vermeintlich schon recht trockene Drohne starten aber nach etwa drei Sekunden hat der Lüfter gestoppt und das kleine Fluggerät war vermeintlich tot, evtl. für immer aber mindestens bis zum Einschicken beim Hersteller – dachten wir, hatten aber die Hoffnung noch nicht vollends aufgegeben und trockneten beim Fahren weiter an der Frontscheibe.

Nun war am Lake Tekapo der Moment der Wahrheit gekommen, noch kaputter konnte man sie ohnehin nicht machen. Entweder sie ging oder halt eben nicht…Und sie ging und die Freude war groß und fröhlich hüpften wir um den Van und ließen sie über uns fliegen und Bilder von der tollen Aussicht machen.

Wir schwankten noch bei der Frage ob wir eine weitere Nacht hier verbringen sollte um bei einer Stargazingtour am Abend die Sterne noch aus einem netten Whirlpool zu betrachten. Nachdem die Bewertungen dazu für den Preis eher schlecht ausgefallen ist und der Wetterbericht auch nicht optimal war, entschieden wir uns schließlich dazu weiter zu fahren. Erstmal nach Chistchurch, dem Startpunkt unserer Reise um die Südinsel und danach weiter Richtung Norden, zur Sonne und zu wärmeren Temperaturen.

In Christchurch machten wir wieder in Waikuku Beach halt. Das Wetter war super und surfen lässt sich an diesem Strand auch richtig gut. Wir waren glücklich und stolz, dass wir nach dieser langen Tour wieder an dem Ort angekommen waren an dem wir unsere erste Nacht im Van verbacht hatten. Es fühlte sich ein bisschen wie ein Abschluss an und war auch gleichzeitig der Tag, an dem wir seit einem Monat unterwegs waren. Wahnsinn nur ein Monat soll das gewesen sein? Vom Abflug in München bis zu diesem Tag sind tatsächlich erst 31 Tage vergangen. Es war schon so viel bis hier her und wenn es so weiter geht die nächsten sechs Monate dann wurden unsere Erwartungen um ein vielfaches übertroffen.

Tag 32 – Fröhliches Wiedersehen

Wir hatten uns keine anstrengenden Pläne für den Tag auferlegt, bastelten etwas am Blog herum und schauten mal was so passierte. Mittags erreichte uns per Instagram die Nachricht von unseren Freunden aus Dunedin, mit denen sich unsere Wege leider schon in Moreaki getrennt hatten, ob wir auch in Christchurch seien. Sie hätten ihren letzten Abend und wollten noch ausgehen, ob wir Lust hätten. Aber Hallo? Als ob man uns bei sowas zwei mal fragen müsste. Wir freuten uns total die beiden nochmal wieder zu sehen und hatten einen tollen Abend in der Little High Eatery. Ein cooler Laden, eine Art Foodcourt aber nicht wie üblich mit Plastikstühlen im Untergeschoss einer ungemütlichen Mall, sondern in einem wirklichen stylischen Lokal. Es gab Sushi, Pizza, Burger, Steaks, Thai und Cocktails und alle Restaurants die hier unter einem Dach arbeiteten sind Familienbetriebe. Das Essen war nicht vom anderen Stern aber auf jeden Fall einen Besuch wert, wenn man ohnehin in Christchurch unterwegs ist. Wir waren auf jeden Fall satt und zufrieden und wollten den Abend eigentlich gar nicht wirklich enden lassen, allerdings stand uns am nächsten Tag eine lange Fahrt bevor und man soll ja auch aufhören, wenn es am schönsten ist. Wir hoffen auf ein baldiges Wiedersehen, ob in München oder der Wildschönau, weit ist es ja nicht. Liebe Grüße!